Heinrich Kielhorn, geb. am 2. September 1847, ist in einem Dorf in der Nähe Braunschweigs in Armut aufgewachsen und trat erst über Umwege in die Pädagogik ein. Seine erste Anstellung als Lehrkraft erfolgte 1875 in der Braunschweiger Waisenhaus-Schule, er unterrichtete eine Klasse mit 85 sieben- bis achtjährigen Schülerinnen. Nach dem Abschluss seiner Lehramtsprüfung 1877 wechselte er im gleichen Ort zur unteren Bürgerschule. Hier engagierte er sich u. a. mit der Förderung der “schwachbefähigten” Schülerinnen und Schüler.
Durch Vermittlung des Schuldirektors übernahm er die erste Hilfsklasse für schwach befähigte Kinder. In der Folgezeit setzte eine rege Öffentlichkeitsarbeit ein, um die Situation der Schülerinnen und Schüler, die dem Unterricht der Bürger- und anderer Volksschulen nicht folgen konnten und ausgeschult wurden, zu verbessern, aber auch eigene standespolitische Forderungen aufzustellen.
1898, Heinrich Kielhorn war inzwischen Leiter der Braunschweiger Hilfsschule, erfolgte die Gründung des “Verbandes der Hilfsschulen Deutschlands” und er wurde zweiter Vorsitzender. Dieses Amt führte er bis 1924 aus. Im Februar 1909 besuchte der Herzog von Braunschweig-Lüneburg die Schule und ernannte Heinrich Kielhorn zum Schulinspektor. Auf eigenem Wunsch schied er 1913 aus dem Dienst. Er starb am 1. Dezember 1934 in Braunschweig. Sein bleibender Verdienst ist der Einsatz für Schülerinnen und Schüler mit einer, nach unserem heutigen Verständnis, “Lernbehinderung”. Ihnen die Möglichkeit eines weiteren Schulbesuches nach dem Scheitern in der Bürgerschule (Volksschule) zu eröffnen, war von einzelnen vorhandenen Hilfsschulklassen im Deutschen Reich abgesehen, ein Novum.
Weiterführende Literatur
Erfolg, Niedergang, Neuanfang, 100 Jahre Verband Deutscher Sonderschulen (vds)
i. A. d. Verbandes hrsg. von A. Möckel, Ernst Reinhardt Verlag, München/Basel, 1998
Heinrich Kielhorn und der Weg der Sonderschulen
i. A. d. Verbandes Deutscher Sonderschulen hrsg. U. Bleidick, Braunschweiger
Werkstücke, Band 17, Waisenhaus-Buchdruckerei und Verlag Braunschweig, 1981