Mittels einer vom Kinderkanal von ZDF und ARD für 6 Wochen zur Verfügung gestellten „Trickboxx“ sind Heinrich-Kielhorn-Schüler zu echten Filmemachern geworden. Im Rahmen eines Kunstprojekts stellten Schüler selbstständig Trickfilme her und übernahmen dabei verantwortungsvolle Aufgaben wie Regie, Kamera, Vertonung und Schnitt. Beim Drehen entstand der Wunsch nach einem schuleigenen Trickfilmstudio. Demzufolge bauen nun Schüler im Werkunterricht nach Vorlage der „Trickboxx“ ein HKS-Trickfilmstudio. Auf diese Weise bekommen auch viele nachfolgende Jahrgänge die Möglichkeit Filmemacher zu werden. Für die technische Ausstattung des Studios müssen eine Kamera und ein Notebook angeschafft werden. Die Heinrich-Kielhorn-Schule freut sich demnach über Spenden für dieses Projekt.
Wie entstehen bewegte Bilder in einem Trickfilm?
Ein Trickfilm besteht aus vielen kleinen einzelnen Bildern. Diese Bilder verändern sich Stück für Stück.
Eine Fotokamera nimmt viele einzelne Bilder auf.
Diese Bilder werden anschließend ganz schnell nacheinander abgespielt.
So entsteht die Bewegung im Film.
Lernchancen – Produktion von Animationsfilmen mit Trickfilmstudio
Die Produktion von Animationsfilmen fordert und fördert die Schüler in folgenden Bereichen:
1. Das Kreative
Erfinden einer Geschichte, die filmisch umgesetzt werden soll
Gestalten von Figuren und Hintergründen
Animieren der Figuren
Musikalische Gestaltung/ Geräusche (Vertonung)
2. Das Handwerklich-Technische
Aufbau und Abbau des Trickfilmstudios, Bedienung der Geräte (Camcorder, Notebook, Maus)
Umgang mit Software (Animationssoftware, Brennprogramm, Office-Programmen usw.)
3. Die Feinmotorik
Beim Gestalten und Animieren sind feinmotorische Fertigkeiten unabdingbar
4. Das Soziale
Ausbau kommunikativer Fähigkeiten beim Entwickeln und Schreiben von einfachen Drehbüchern (z.B. bei Diskussionen)
Erweiterung von sozialen Schlüsselfähigkeiten: Rücksichtnahme, Akzeptanz anderer Menschen und Meinungen, Vertreten eigener Standpunkte, Hilfsbereitschaft, Zuverlässigkeit usw.
5. Übernehmen von Verantwortung für das Gesamtergebnis
Arbeitsteiliger Prozess: Jedes Teammitglied übernimmt eine wichtige Aufgabe (Regisseur, Kameramann usw.) und trägt zum Gesamtergebnis bei.
Die folgenden Beispiele entstanden im September 2010
Schneckenrennen Die Klasse 10c startet mit einem Schneckenrennen in die Trickfilmarbeit
Herbst Animierte Russischbrot-Buchstaben
mit Vertonung
Lucas und Lukas Fussballspieler mit HKS-Trikos
ohne Vertonung
Mittels einer vom Kinderkanal von ZDF und ARD für 6 Wochen zur Verfügung gestellten „Trickboxx“ sind Heinrich-Kielhorn-Schüler zu echten Filmemachern geworden....
Hameln. Eine Holzkiste, 120 Zentimeter lang, 100 Zentimeter hoch und 50 Zentimeter tief. Ein bisschen erinnert das hölzerne Gebilde an das gute alte Kasperletheater, aber der bunte Vorhang fehlt. Dafür ziert an den Seiten ein großer blauer Kreis mit einem weißen X und dem Schriftzug KI.KA die Kiste. Das Geheimnis um die Konstruktion aus Holz beginnt sich langsam zu lüften, denn bei genauerer Betrachtung fällt eine Kamera in der Decke der Kiste auf, dazu fast schon professionelle Beleuchtung und ein Laptop im Hintergrund. Die „Trickboxx“ des KI.KA, dem Kinderkanal von ARD und ZDF, steht für sechs Wochen den Schülern und Schülerinnen der Klasse 10c der Hamelner Heinrich- Kielhorn-Schule zur Verfügung, um einen Trickfilmbeitrag zu produzieren. Der KI.KA verleiht die „Trickboxx“ kostenlos an Projektgruppen und Schulklassen. Sie wird angeliefert, aufgebaut, und anschließend erhält man eine genaue Einführung, wie man damit Filme macht. „Man muss sich nur rechtzeitig mit einer interessanten Drehbuchidee bewerben“, erklärt die Initiatorin des fächerübergreifenden Kunstprojektes der Heinrich-Kielhorn-Schule, die Anwärterin Annecke Genrich. „Teamgeist“ lautet kurz und knapp der Arbeitstitel des Kurzfilms, der zurzeit in der Hamelner Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung entsteht. Und wie mag es anders sein? Im Jahr der Fußballweltmeisterschaft muss auch im Trickfilm das Runde ins Eckige. Allerdings wählten die Anwärterin und ihre Schüler und Schülerinnen für den unhaltbaren Eckschuss einen kleinen Umweg über die berühmt-berüchtigte fallen gelassene Bananenschale. „Nach der Geschichte musste als erstes das sogenannte Drehbuch erstellt werden. Dafür haben wir uns gemeinsam die einzelnen Szenen mit ihren unterschiedlichen Bewegungen ausgedacht“, erklärt Annecke Genrich die ersten Arbeitsschritte der jungen Filmcrew. „Dann haben wir die Spieler gebastelt und unsere Fotos ausgeschnitten und als Köpfe darauf festgeklebt“, erläutert Kameramann Lucas (15), der mit einem Klick auf die Computermaus die Kamera über dem Spielfeld auslöst. „Hände weg!“, lautet plötzlich die Ansage des Schülers Adrian, der beim Trickfilmprojekt die Rolle des Verschiebers einnimmt, an das gesamte Filmemacherteam. „Hände gehören nämlich nicht aufs Bild, nur Figuren“, erklärt der 15-Jährige. Er ist dafür zuständig, dass der fertige Film nicht ruckelt und die Bewegungen fließend sind. „Langsam und Stück für Stück!“ lautet seine Devise. Pro fertige Filmsekunde muss ungefähr achtmal die Position der Figuren geringfügig verändert und verschoben, achtmal die Computermaus betätigt und achtmal das entstandene Bild am Laptop kontrolliert werden. Wenn der Trickfilm „Teamgeist“ abgedreht ist, wird er etwa elf Sekunden lang sein. Das bedeutet für die jungen Trickfilmmacher an der Heinrich-Kielhorn-Schule, dass sie fast 100 Bilder und Einstellung produzieren müssen, bevor der Ball am Ende im Tor landet. „Das klappt schon!“, mag Lukas denken und Zuversicht spiegelt sich in seinem Gesichtsausdruck wider. Der 13-Jährige ist wie sein Namensvetter für den Kameramausklick zuständig. Allerdings kann er die Computermaus nicht mit der Hand bedienen. Er signalisiert mit einer leichten Bewegung des Kopfes, dass die Kamera auslösen soll. Dann meldet sich der dritte Lukas im Team zu Worte. Er ist der Regisseur, hält das Drehbuch fest in der Hand und entscheidet, ob eine Szene zum „Kameraabschuss“ freigegeben wird. Natürlich wäre es für die jungen Filmemacher die Erfüllung all ihrer Träume, wenn ihr Streifen im Fernsehen ausgestrahlt würde. „Wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm. Es macht Spaß, dass ist die Hauptsache“, erklärt der 14-Jährige. Ganz besonders wichtig ist den Schülern und Schülerinnen, dass auch sie als behinderte Menschen die Chance bekommen haben, einen echten Trickfilm zu machen. „Das stärkt ihr Selbstbewusstsein ungemein“, ist sich Schulleiter Norbert Lichtenberg sicher. „Und dass gerade eine Anwärterin so ein tolles und kreatives Projekt in unseren Schulalltag bringt, ist besonders hervorzuheben“, lobt der Schulleiter. „Von der Feinmotorik bis hin zum technischen Verständnis, das fächerübergreifende „Trick-boxx“-Projekt stärkt die sozialen Kompetenzen der durch verschiedenste Behinderungen beeinträchtigten Schüler und Schülerinnen“, ist sich Annecke Genrich sicher und freut sich schon jetzt, der Heinrich-Kielhorn-Schule (HKS) etwas Tolles und Bleibendes hinterlassen zu können. „Die „Trickboxx“ dient nämlich als Vorlage für ein eigenes HKS-Trickfilmstudio. „In einem Werkprojekt wird die Box nachgebaut und ausgerüstet und steht dann anschließend allen nachfolgenden Jahrgängen zur Verfügung“, so die Anwärterin. Noch haben die Schüler und Schülerinnen ein paar Tage Zeit, um ihr erstes Filmprojekt fertigzustellen. Nebenbei laufen die Vorbereitungen für die Schulkino-Premierenvorführung bereits auf Hochtouren und ein Hauch von Hollywood hat längst in der Schule an der Süntelstraße Einzug gehalten. Und wenn den Programmverantwortlichen vom KI.KA der Trickfilm der HKS-Schüler und Schülerinnen gefällt, dann wird er demnächst tatsächlich im Kinderkanal von ARD und ZDF zu sehen sein.
Regisseur Lukas (li.) und Kameramann Lucas (re.) haben Spaß am Trickfilm-Projekt.
Foto:sbr
Kameramann Lucas signalisiert mit leichten Kopfbewegungen, wann die Kamera über die Computermaus auslösen soll.
Foto:sbr